Pressemitteilung und Veranstaltungsankündigung „Rassismus und ethnische Diskriminierung im Schulalltag“

Kiel, 18.09.2014

Pressemitteilung

und Veranstaltungsankündigung

Mit Bitte um Vorankündigung der Veranstaltung und Berichterstattung

 

Veranstaltung

„Rassismus und ethnische Diskriminierung im Schulalltag“

am 19. September 2014, 19 – 22 Uhr,

Bürgerhalle Flensburg, Rathausplatz 1, 24937 Flensburg

Die Veranstaltung „Rassismus und ethnische Diskriminierung im Schulalltag“ findet im Rahmen des bundesweiten Aktionstags gegen Rassismus statt. Dieser Aktionstag bildet den Höhepunkt des Themenjahres „Gleiche Chancen. Immer.“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS).

Die Veranstaltung möchte die Möglichkeit eröffnen, sich über Ursachen von Rassismus und ethnischer Diskriminierung im Schulalltag zu informieren und auszutauschen. Außerdem sollen Strategien der Antidiskriminierungsarbeit im Kontext Schule diskutiert werden.  Veranstalter*innen sind der Antidiskriminierungsverband Schleswig-Holstein (advhs) e. V. in Kooperation mit der Stadt Flensburg und dem Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein.
Der Abend wird mit einem Grußwort von Flensburgs Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar eröffnet. Den Hauptvortrag wird Carsten Ilius halten, Rechtsanwalt aus Berlin, der u. a. als Vertreter der Nebenklage im Prozess gegen den „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) bekannt geworden ist.

Aktuelle Expertisen der Bundesantidiskriminierungsstelle weisen auf die Dringlichkeit hin, die Chancengleichheit aller Schüler*innen durch eine gezielte Antidiskriminierungsarbeit zu stärken. Fakt ist: Diskriminierung in der Schule kann sich ganz entscheidend auf den Bildungserfolg, die Leistungsfähigkeit, den Zugang zum Arbeitsleben und die Motivation der Betroffenen auswirken.

Thema der Veranstaltung ist, inwieweit schulische Antidiskriminierungsarbeit an den strukturellen Ursachen von Diskriminierungen ansetzen könnte. Carsten Ilius wird seinen Beitrag an den Fragen orientieren, die sich zum Beispiel bzgl. der Wirkung des gegliederten Schulsystems oder der Debatte um Mehrsprachigkeit und hier bisweilen tief verwurzelten „monolingualen Habitus“ stellen.

So wird beispielsweise im deutschen Schulsystem grundsätzlich angenommen, dass alle Schüler*innen über „gleichwertige“ Deutschkenntnisse verfügen. Das führt im Ergebnis zu struktureller Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund, die mit einer anderen Erstsprache aufgewachsen und in dieser Sprache i.d.R. deutlich sicherer sind.

Der Referent wird dazu ausführen, inwieweit und mit welchen negativen Folgen für Kinder mit Migrationshintergrund  im deutschen Bildungssystem die schulischen Erfolge vor allem in Verbindung zur deutschen Sprache identifiziert werden. Er wird sich darüber hinaus kritisch mit „gut gemeinten“, jedoch singulären Sprachfördermaßnahmen auseinandersetzen, die dem Kind das Gefühl geben, es gelte zunächst, seine „sprachliche Barriere“ zu überwinden – ohne dass es eine Wertschätzung seiner Erstsprachkompetenz erfährt. Ein Prozess, der erhebliche Auswirkungen auf die Identitätsbildung und Lernmotivation eines des Kindes zur Folge haben kann.

Indes stellen die Veranstalter fest, dass in Bezug auf das gegliederte Schulsystem in Schleswig-Holstein bereits gute Voraussetzungen geschaffen sind. So trat am 1. August diesen Jahres ein neues Landesschulgesetz in Kraft, welches das dreigliedrige Schulsystem ersetzen soll. Neben dem Gymnasium ist nunmehr die Gemeinschaftsschule die einzige weiterführende allgemeinbildende Schulart nach der Grundschule.

„Diese Gesetzesänderung ist mit Blick auf die Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zu begrüßen.“, erklärt Hanan Kadri vom Antidiskriminierungsverband Schleswig-Holstein e. V.. „Doch eine Änderung des Gesetzes allein wird kaum ausreichen, um Diskriminierungen zu beseitigen.“ Inwieweit es der Gemeinschaftsschule gelingen wird, eingefahrene, im Ergebnis diskriminierend wirkende Strukturen zu überwinden, obliege neben den Schulleitungen zum großen Teil den Lehrer*innen. „Gerade in der aktuellen Phase des Übergangs sollten Möglichkeiten etabliert werden, den Lehrkörper bezüglich stereotyper Zuschreibungen, die in gesellschaftlichen Diskursen verbreitet sind, zu sensibilisieren,“ ist Hanan Kadri überzeugt.

Hanan Kadri, die den Abend moderieren wird, leitet beim Antidiskriminierungsverband Schleswig-Holstein (advsh) e. V. das Projekt „Netzwerke für eine AntidiskriminierungsKultur in Schleswig-Holstein“ (NAKi-SH) (www.advsh.de), das im Nordwesten Schleswig-Holsteins ein von mittlerweile zahlreichen Akteur*innen getragenes regionales Netzwerk (NAKI-SH Nord/West) etabliert hat. Dabei sind unter anderem die Koordinierungsstelle Integration Flensburg, das Frauenzentrum Schleswig e. V., der Seniorenbeirat der Stadt Schleswig, die Gleichstellungsstelle und die AGG-Beschwerdestelle der Stadt Schleswig, das Sozialforum im Ilensee, das Sozialforum Kappeln, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Harrislee, der Seniorenbeirat Flensburg und das Regionale Beratungsteam Flensburg des Beratungsnetzwerks gegen Rechtsextremismus in Schleswig-Holstein.

Pressekontakt: Hanan Kadri, naki-sh@advsh.de, www.advsh.de

Anlagen:   

   – Pressemitteilung advsh

 – VA_Flyer_Aktiontag_gegen_Rassismus_19 9 2014 in Flensburg 

Grusswort_ Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes

— Hanan Kadri, Projektleiterin NAKi-SH (Netzwerke für Antidiskriminierungskultur in Schleswig-Holstein)
Antidiskriminierungsverband Schleswig-Holstein (advsh) e. V

www.advsh.de